Den Job kündigen für die Weltreise mit zwei Kleinkindern, war das eine gute Idee? Nur noch ein paar Tage und wir sind endlich wieder unterwegs, open end und mit einer ganz neuen Intention. Meine Gedanken, Wünsche und Ängste dazu habe ich hier festgehalten.
Nicht mehr lange und wir schliessen die Türe unserer Wohnung hinter uns, drücken den Schlüssel unserem Untermieter in die Hand und fahren die paar Minuten zum Flughafen. Seit Jahren werden wir wieder einmal ein Flugzeug betreten. Das wird sich definitiv komisch anfühlen. Wir haben vor, in anderthalb Jahren wieder nach Zürich zurück zu kommen. Soweit der Plan. Aber wie ist es eigentlich soweit gekommen und was soll das alles?
Job kündigen für die Weltreise: Wie es dazu kam
Ich weiss jetzt gar nicht, wie weit ich eigentlich ausholen soll. Wo fange ich an zu erzählen? Während den letzten sechs Jahren war ich immer beschäftigt, mehr als je zuvor. Wir haben eine Familie gegründet, ich habe zwei Kinder geboren und zusammen haben Jürgen und ich den irren Alltag als Familie hingekriegt.
Wir haben beide in einer Festanstellung zu 80% gearbeitet, nebenbei als Selbstständige den Blog geführt und zwei Kinder betreut. Dazu kam der Spagat mit zwei Ursprungsfamilien die je zwei bis drei Stunden entfernt wohnen, Freund:innen, Sport, eigene und gemeinsame Zeit und dem hohen Anspruch als Eltern.
Klingt unmöglich? Ist es auch. Aber wir haben das recht gut hingekriegt. Wir wissen um unsere Privilegien und leben dankbar in (je nach Statistik) der reichsten Stadt der Welt.
Und doch war da immer etwas…. Der Wunsch anders zu leben, freier zu sein, mehr Sinn zu finden, unabhängig zu sein und das auch unseren Kindern vorleben zu können.
Der Wunsch am Meer aufzuwachen und Salz auf der Haut zu spüren. Dieser Wunsch tat manchmal fast körperlich weh und ging weit über „ich brauche wieder mal Urlaub“ hinaus.
An einem kalten Wintertag….
Irgendwann haben wir uns zwei Tage rausgenommen. An diesen zwei Tagen haben wir uns zusammengesetzt und geredet. Was wollen wir vom Leben? Wie wollen wir leben? Was wollen wir unseren Kindern vermitteln? Wie stellen wir uns unser zukünftiges Arbeitsleben vor? Was ist uns wichtig?
Diese Fragen haben wir uns natürlich nicht das erste Mal gestellt. Aber zwei Tage freinehmen, zusammensitzen und einfach nur diese Fragen diskutieren, sich austauschen, abgleichen und Sehnsüchte aussprechen, das haben wir vorher noch nie so bewusst gemacht.
Glücklicherweise haben wir festgestellt, dass wir auch tatsächlich dasselbe wollen. Denn solche Dinge können doch auch kritisch werden, wenn man als Paar bemerkt, dass es beide in eine unterschiedliche Richtung zieht. Bei uns stimmt das glücklicherweise überein. Und wieder einmal haben wir ein Riesenglück, denn auch das ist nicht selbstverständlich.
Am Ende dieser zwei Tage haben wir uns alles auf ein grosses Plakat aufgeschrieben und ein Datum gesetzt: Dann wollen wir raus!
So, jetzt war es fix. Den Job kündigen für die Weltreise, das klang für uns beide plötzlich nicht mehr verrückt, sondern richtig und genau so haben wir es auch durchgezogen.

Was wir eigentlich wollen
Seitdem sind nun vier Monate vergangen und wir stehen in den Startlöchern. Der Druck ist weg und wir leben schon jetzt befreiter. Das Leben ist leichter auf die eine Art, aber auch verantwortungsvoller auf die andere Art.
Wir sind jetzt komplett für uns selbst verantwortlich und können nichts mehr auf andere abschieben. Unsere Entscheidungen wirken sich 1:1 auf unsere Familie, auf unser Leben aus. Der monatliche fixe Lohneingang ist weg. Alles ist anders, alles ist besser, alles ist schwieriger. Aber besser schwieriger. Ach, es ist so schwer zu erklären.
Aber genau das haben wir gesucht: Verantwortung für unser Handeln, unser Arbeiten, unser Leben zu übernehmen. Die Auswirkungen davon zu spüren und diese intensiven Gefühle auch auszuhalten. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber es ist schöner. Schöner als das Leben auf dem Sofa zu verträumen. Obwohl wir das nicht gemacht haben. Dennoch ist die Gefahr immer da.
Die Gefühle, die uns die letzten Wochen begleitet haben, waren sehr intensiv. Wortwörtlich von himmelhochjauchzend bis zu den Tränen nahe. Aber schon da merke ich: es ist es wert. Diese Intensität tut gut.
Was wir zu finden hoffen
In den kommenden Monaten wollen wir uns neu finden, in einer für uns neuen Welt der Selbstständigkeit und Selbstverantwortung. Wir wollen den Mut aufbringen, uns zu spüren, mit unserer Familie zu wachsen und zusammen zu geniessen.
Dazu gehört eine gehörige Portion Mut. Diese haben wir aber aufgebracht und bald geht es los. Ich mache das nicht zum ersten Mal. Ich habe schon mehrmals meine Wohnung gekündigt, bin losgezogen und habe die Welt erkundet. Das letzte Mal war ich fast zwei Jahre alleine unterwegs.
Aber es ist nochmals eine ganz andere Nummer, dies mit zwei Kleinkindern zu machen. Es ist komplizierter, teurer, hindernisreicher und voller unsichtbaren Hürden in Form von destruktiven Glaubensmustern. Alleine bin ich einfach losgezogen. Jetzt ist das etwas umständlicher, aber auch mit Familie ist das machbar.
Im besten Fall kommen wir in anderthalb Jahren zurück mit einem florierenden Unternehmen, genügend Geld, vielen Erfahrungen und erlebnisreichen anderthalb Jahren in anderen Ländern.
Im schlechtesten Fall kommen wir in einem Jahr wieder heim, haben nichts mehr auf der hohen Kante, aber hatten dafür wundervolle und spannende 12 Monate erlebt.
Natürlich präferiere ich ersteren Fall. Aber auch der schlechtere Fall hört sich doch eigentlich nach einer wunderbaren Zeit an, oder?
Wenn die Zweifel reinkicken
Das muss ich mir immer wieder vor Augen halten, wenn dann und wann die Zweifel aufkommen. Denn die hocken immer ganz nah, wohl auf meiner Schulter, und sind bei der kleinsten Unsicherheit da, was wohl auch ganz normal ist, wenn man mit Kindern unterwegs ist.
Tun wir das Richtige? Und wenn sie ihre Freund:innen vermissen? Und wenn es als Familie nicht stimmig ist? Und wenn…. und so weiter. Aber weißt du was? Dann kommen wir einfach wieder nach Hause. Dies ist eines der vielen Privilegien die wir haben und für die wir unglaublich dankbar sind.
Die letzten Tage
Wir sind in den letzten Tagen vor dem Abflug und dauerbeschäftigt. Lieben Leuten Tschüss sagen, Versicherungen und Papierkram organisieren, Wohnung ausmisten und bereitmachen, Dinge verschenken, Platz machen, packen…. Wir sind sowas von ready und doch überhaupt noch nicht bereit.
Meine Gefühle sind schwer zu beschreiben. Aber ich freue mich schon jetzt, wenn ich diesen Artikel in zwei Jahren wieder lesen kann und dann weiss, wie es ausging. Vielleicht stehen wir ja dann wieder an einem ganz anderen Punkt im Leben?
Ich bin so gespannt, wie alles wird, wie wir uns entwickeln, was passiert und wohin unsere (Lebens-)reise tatsächlich führt.
Was hälst du davon? Ich bin super gespannt auf deinen Kommentar!
Dieser Artikel ist erst der Anfang unserer Geschichte. In Langzeitreise als Familie: Die Vorbereitung findest du alles rund um die Planung einer Weltreise mit Kindern, in der Packliste für die Weltreise mit Kleinkindern zeige ich dir, was wir am Ende wirklich eingepackt haben, und in Familienabenteuer Weltreise: Würden wir es wieder tun? liest du unseren ehrlichen Rückblick, ob sich der ganze Schritt gelohnt hat.

21 Comments
Globetourists
17. Oktober 2021 at 10:25Ich finds fantastisch! Guten Start euch
Sarah
17. Oktober 2021 at 12:45Danke dir vielmals!!
Tami
17. Oktober 2021 at 11:49Ich bin sehr gespannt auf deine Erfahrungen! Ihr macht es richtig.. auf gehts! Diese Zeit kann euch niemand mehr nehmen. Alles Gute! 👍
Sarah
17. Oktober 2021 at 12:45Vielen Dank, liebe Tami!
Eka
17. Oktober 2021 at 20:58Genießt eure Reise und macht euch keine Gedanken was wäre wenn, ihr habt ein soziales Netzwerk (Familie etc) was für euch da ist. Ich freue mich auf weitere tolle Reiseberichte von eurer Reise. Sieht es positiv, dass wollt Ihr doch, euren Kindern was anderes zeigen und Abstand vom Alltag haben.
Sarah
17. Oktober 2021 at 22:14Wir sehen das auf jeden Fall positiv! 🙂 Bald gehts los und wir freuen uns sehr.
Mireia
17. Oktober 2021 at 22:05Ich wünsche euch eine wunderschöne Erfahrung! Geniest es!
Sarah
17. Oktober 2021 at 22:13Vielen Dank, liebe Mireia! Wir sind schon sehr gespannt auf alles, was kommt!
Sandra
18. Oktober 2021 at 13:01Soo schön. Ihr könnt mächtig stolz sein auf euch. Ich freue mich ganz fest mit und für euch und wünsche euch eine wundervolle, spannende Zeit mit viel Freude, Liebe, Leichtigkeit und super tollen Momenten❤️ Geniesst es, lasst es euch gut gehen und ja, pura vida 🦥🏄♀️🫔
Sarah
18. Oktober 2021 at 16:48Liebe Sandra, ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte! 🙂 Ich freue mich auch sehr und weiss, wie sehr du «mitfieberst» und unsere Beweggründe so gut nachvollziehen kannst. Pura Vida!
Step
19. Oktober 2021 at 15:21Jetzt auch von mir nach Langem mal wieder ein Kommentar – einfach nur Alles, Alles Gute. Ich werde mit euch mitfiebern und kann deine Gedanken, als einer, den es selbst dauernd in die Welt hinauszieht, sehr gut nachvollziehen. Ich fühlte mich selbst in den letzten eineinhalb Jahren oft eingesperrt und hatte das Gefühl, da passt was nicht, also wirds bestimmt großartig. Ich denke, solange die Kinder noch so klein sind, geht das bestimmt einfacher als wenn sie größer werden und in ihrem Sozialleben mehr lokal verwurzelt sind. So gesehen – ich bleibe voller Spannung dran! Bin gespannt, wo ihr überall hinkommen werdet und was ihr erleben werdet!
Sarah
20. Oktober 2021 at 9:33So schön von dir zu lesen! Und danke für deine lieben Wünsche! Ich freue mich jetzt sehr, endlich wieder in die Welt rauszukommen und wieder etwas mehr Abenteuer im Alltag integrieren zu können. Ich hoffe auch für dich, dass du bald wieder den Duft der weiten Welt schnuppern kannst!
Step
20. Oktober 2021 at 17:04Im Sommer war ich zumindest in Europa eh schon wieder ganz ordentlich unterwegs. Roadtrip durch Rumänien, durchs Burgund, eine Radtour in Österreich und erst letzte Woche in Portugal. Auch dienstlich haben wir wieder Aufenthalte, nahe wie London oder Prag, aber auch fernere wie in Amman oder Teheran. Und in 3 Wochen plane auch ich meinen ersten Überseetrip – 3 Wochen nach NOLA (pünktlich genau am 8.11. zur US Grenzöffnung) und danach Road Trip auf der Baja California. Langsam wird es wieder 🙂
Ada Guggenbühl
19. Oktober 2021 at 23:21Wenn nicht wenn sonst? In meiner Heimat saget man: es wird beim Totesmoment nur bedauert was man nicht gemacht hat…. Also los!
und viel Glück.
lg ada
Sarah
20. Oktober 2021 at 9:26Vielen Dank, liebe Ada! Genau, ich will am Schluss nichts bedauern müssen…
Karen
20. Oktober 2021 at 5:57Ich wünsche euch gutes Gelingen! Es lohnt sich. Und -Es gibt ja um Notfall den Weg zurück.
Ich habe das auch mal gemeint Familie. Wir hatten im Ausland zwar einen Job, aber trotzdem war es ein mächtig großer Schritt. Wir haben es nie bereut, hier hat man nichts verpasst.
Viel Glück!!!
Sarah
20. Oktober 2021 at 9:27Nichts bereuen müssen, genau danach leben wir. Wenns nicht so ist, wie wir uns das vorstellen, kommen wir wieder zurück. Wir sind in der privilegierten Lage, genau das machen zu können und sind extrem dankbar dafür.
Ute
24. Oktober 2021 at 18:09Ein sehr schöner Text! Da es bei mir auch in wenigen Tagen losgeht, wollte ich doch mal schauen, wohin es dich beziehungsweise euch zieht und was soll ich sagen… Ein tolles Ziel! Für diesen Weg und die Reise wünsche ich euch alles erdenklich Gute. Bei mir wird es leider erstmal Europa bleiben, da ich meinem Hund den Flug nicht antun möchte… Aber wer weiß, wie sich alles entwickelt. Ich bin jedenfalls jetzt sehr gespannt, wie es für euch wird und freue mich auf Fotos aus dem schönen Paradies Costa Rica. Gute Reise und guten Flug, Ute
Sarah
25. Oktober 2021 at 17:19Liebe Ute, so schön von dir zu lesen! Und wieder geht es bei uns gleichzeitig los… Deine Bedenken wegen dem Flug für den Hund kann ich gut nachvollziehen. Ich würde das einem Tier auch nicht antun wollen.
Ich freue mich, auch bei dir auf dem laufenden zu bleiben und wer weiss, vielleicht kreuzen sich unsere Weg ja irgendwann einmal… Alles liebe dir!
Katrin
25. Oktober 2021 at 13:02Hi Sarah,
super mutig von euch eure die Heimat zu verlassen und für so eine lange Zeit nach Costa Rica zu ziehen. Ich selbst war schon einige Male in Mittelamerika (in Panama, Mexiko und Kuba), aber leider noch nie in Costa Rica, obwohl es ein großer Wunsch von mir ist CR zu sehen und dort für einige Zeit zu leben. Als ich vor einigen Jahren in Mexiko war, habe ich einen Schweizer getroffen, der sein altes Leben komplett aufgegeben hat und mit seiner Freundin nach Mexiko ausgewandert ist. Nach 2 Jahren in Mexiko hat er dann angefangen Südamerika zu bereisen. Mittlerweile war er schon in drei südamerikanischen Ländern und derzeit lebt er in Peru. Diesen Sommer habe ich ihn wieder mal nach mehreren Jahren besucht. Auch wenn er nicht viel besitzt, habe ich selten jemanden gesehen, der glücklicher ist als er und seine Freundin. Er ist noch genauso wie am Tag, an dem ich ihn in Tulum kennengelernt habe und lebt sein Leben nach seiner eigenen Vorstellung. Davor habe ich den größten Respekt. Aus diesem Grund lese ich auch gerne deinen Blog und respektiere auch deine getroffenen Entscheidungen. Mein Wunsch ist auch mal für eine längere Zeit in Costa Rica zu leben, deswegen lerne ich schon seit mehreren Jahren Spanisch. Ich habe mir auch eine Sprachreise nach Costa Rica gebucht, um es mit eigenen Augen mal zu sehen und auch um einschätzen zu können, wie es wäre, wenn ich nach Costa Rica auswandern würde. Ich bin schon super gespannt auf deinen nächsten Blog und hoffe, dass du da auch einige Insider Tipps für das Leben in Costa Rica auflistest 🙂 Ich wünsche dir und deiner Familie auf jeden Fall alles Gute und eine schöne Zeit!
Sarah
25. Oktober 2021 at 17:18Vielen Dank für die guten Wünsche. Wir werden aber nur eine begrenzte Zeit in Costa Rica sein und nicht für längere Zeit dort leben. Daher weiss ich noch nicht, ob ich dir mit Tipps diesbezüglich weiterhelfen kann. Aber schauen wir mal, wie sich alles entwickelt…